Die Göttlichen Düfte

 
 
   



 
 
 

Seit dem Altertum werden den Gottheiten Rauchopfer dargebracht. Wohlriechende Harze, duftende Blüten, Hölzer und Gewürze werden verbrannt, damit ihr aufsteigender Rauch die Götter erfreue und sie milde stimme. Die drei Weisen aus dem Morgenland brachten dem Christuskind als königliche Geschenke Gold, Weihrauch und Myrrhe mit. Und noch heute ist Weihrauch unverzichtbar in der Liturgie der katholischen Kirche.

Das antike Rom hatte eine treffende Bezeichnung für göttliche Opfergaben: "per fumum" - lateinisch: "durch Rauch". Heute nennt man es "Parfum", und man steckt es auch nicht mehr in Brand; es "verduftet" von selbst, dank des Alkohols, in dem die kostbaren Inhaltsstoffe gelöst sind...

Warf man früher eine Handvoll Spezereien, Harze oder Blüten ins Feuer, stehen den Parfumeuren heute einige Tausend Duftstoffe für die Komposition eines Parfums zur Verfügung. Eine fast unüberschaubare Anzahl verschiedener Parfums macht es mühsam, sich noch im "Labyrinth der Düfte" grosser Parfumerien zurechtzufinden. Begriffe wie "toll", "bezaubernd", "herrlich", "wunderschön" oder "einfach göttlich" gehen uns vielleicht in der Parfumerie über die Lippen bei der ersten Begegnung unserer Nase mit einem neuen Duft, - oder aber auch nicht. Duftempfinden ist sehr persönlich, ist individuell.
 
 
  "Wichtiger als Sehen, Hören, Schmecken ist, von jedem Ding, von jedem Wesen den geheiligten Duft zu atmen."  
 
 
 

Salvador Dalí war seit frühester Kinderzeit mit einem besonders ausgeprägten Geruchssinn ausgestattet. In seiner Heimatstadt Figueres hatte er sich angewöhnt, sich häufig mit duftenden Blumen hinter dem Ohr zu schmücken; als Student an der Akademie der Schönen Künste in Madrid zeigte er sich als gelackter "Dandy": seine pechschwarzen langen Haare mit duftender Pomade frisiert, sportive Sakkos in englischer Eleganz, - und fast immer eine Gardenie oder eine andere Blüte im Revers.
 
 
    Portrait Salvador Dalí, 1929.

 
 
 

In der Ferienzeit im Küstenort Cadaqués tauschte er die blumig duftende Pomade gegen eine selbst verfertigte Mischung aus Malfirnis, Terpentinen, und Harzen aus, mit denen er seine Frisur befestigte. Hatte er sich vorgenommen in der Umgebung zu malen, machte er sich besonders zurecht: zu seiner farbverschmierten, alten Arbeitshose kombinierte er ein himmelblaues Seidenhemd samt saphirgeschmückter Manschettenknöpfe. Dazu ein Geranien- oder Jasminzweig hinter dem Ohr.
 
 
   

 
 
 

So ausgestattet schuf er seine ersten Meisterwerke - immer umgeben von seiner Wolke aus balsamischem Harz und Blumenduft.
 
 
 
 
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