Was für ein Luxus!

 
 
 
 

Salvador Dalí gelang es in den folgenden Jahren, mit seiner Kunst weit über Spanien hinaus bekannt zu werden. Schon bald war er fester Bestandteil der Pariser Kunstszene und Mitglied der "Surrealisten", nicht zuletzt dank Galas unermüdlichen Fleisses, Beziehungen zu einflussreichen und wohlhabenden Kreisen aufzubauen. Es dauerte nur einige Monate, und Dalí und Gala hatten Bekanntschaft geschlossen mit Coco Chanel, Elsa Schiaparelli und Helena Rubinstein.

Die "Königinnen der Haute Couture" kämpften hart um ihre Kundinnen. Es ging um astronomische Summen Geldes - und den Erhalt der schwerreichen Klientel. In Paris galt damals das ungeschriebene Gesetz, dass man sich als Kundin von Coco Chanel nach einem "Abstecher" im Salon von Elsa Schiaparelli besser vorerst nicht wieder im Salon der Chanel sehen liess, - und im "kleinen Schwarzen" von Chanel huschte man tunlichst zügig über die Place Vendôme und schlug einen weiten Bogen um die No. 21, dem Salon Elsa Schiaparellis...

Um so mehr erstaunte "tout Paris" der "Spagat" der Dalís, in beiden Salons freundschaftlich ein- und auszugehen, wie es ihnen beliebte. Weder Salvador Dalí noch Gala verrieten bis an ihr Lebensende ihr Geheimnis, wie sie es schafften, mit allen drei Grössen der Mode- und Kosmetikwelt gleichzeitig und freundschaftlich verbunden gewesen zu sein.

Salvador Dalí scherzte einmal bei einer seiner Reisen in die USA:
 
 
  "Coco Chanel in Paris und Helena Rubinstein in New York. Eine der Königinnen in jeder Hauptstadt, - um mir Lebewohl und guten Tag zu sagen, - und Gala in meinem Herzen und in meinem Bett. Was für ein Luxus!"  
 
 
1937

Wann immer sich Dalí und Gala in Paris aufhielten, nahmen sie bei Coco Chanels Modepräsentationen Platz auf der legendären runden Treppe ihres Salons, und irgendwann verpasste Coco Gala die berühmte grosse Haarschleife aus schwarzem Samt. Für Gala wurde sie zu ihrem "Markenzeichen", sie trug sie bis zu ihrem Lebensende, und Dalí malte Gala fortan am liebsten nur noch mit Chanel-Schleife.
 
 
    Coco Chanel und Salvador Dalí.

 
  "Als Coco Chanel mich zum erstenmal einlud, wusste ich gleich, wer sie war. Umgeben von Perlmutt, Ebenholz, Gold und Kristall, von Masken, Spiegeln und Parfums, inmitten ihrer mythologischen Herde von Löwen sass Coco Chanel, den Hut, von dem sie sich niemals trennte, auf dem Kopf, rauchte ununterbrochen und redete, redete, redete - herrisch, unschuldig und schrecklich.

Ihr Leben war ein ununterbrochener Monolog: "Nicht wahr, Dalí, Berühmtheit ist Einsamkeit? Menschen, die eine Legende haben, ähneln zuletzt dieser Legende, um ihre Berühmtheit zu bestätigen. Wir müssen aber die Kiepe der Vergangenheit jeden Morgen ausleeren, sonst drückt uns das Gewicht des Lebens nieder, und wir liegen bald mit den Gespenstern und Dummköpfen im Staub..." Dabei massierte sie unaufhörlich ihren Hals, auf den sie sehr stolz war, den "längsten Hals der Welt", wie sie sagte. Um ihm seine Form zu bewahren, hielt sie sogar beim Essen den Kopf hoch.

Ich glaube, Coco Chanel schenkte ihre Freundschaft nicht Einzelpersonen, sondern abstrakten Wesen: ich war für sie "das Genie", so wie Diaghilew "der Tanz" war - und sie, Coco, "die Mode". Sie liebte sich sehr."
 
 
 
1938

Als in Spanien der Bürgerkrieg ausbrach und dort der Aufenthalt zu unsicher wurde, gewährte Coco Chanel Salvador Dalí und Gala unbefristetes Asyl in ihrer Villa in Roquebrune am Kap Martin. Salvador Dalí und Gala waren von der einfachen, aber eleganten Architektur des Hauses tief beeindruckt. Viele Elemente, wie hier die Art des Treppenaufgangs, übernahmen sie als Anregung für ihres eigenes Haus in Port Lligat bei Cadaqués.
 
 
    Coco Chanel in ihrer Villa "La Pausa" in Roquebrune, Kap Martin.

 
 
 

Zur Verwunderung aller Anwesenden sah Coco Chanel so manches mal freundschaftlich darüber hinweg, wenn Gala - wie zu diesem Anlass hier in Monte Carlo - eine weinrote, mit Goldfäden und Strass bestickte Kostüm-Jacke aus dem Salon der Elsa Schiaparellis trug.
 
 
    Gala und Coco Chanel in Monte Carlo.

 
 
1940

Als sich die politische Lage auch in Frankreich deutlich verschärfte, war es vor allem Coco Chanel, die in aller Stille die Flucht der Dalís in die USA organisierte und finanzierte. So schlugen sich im Sommer 1940 Gala und Salvador Dalí über Figueres, Barcelona und Madrid nach Lissabon durch, um von dort per Schiff ins amerikanische Exil zu gelangen.
 
 
  "Was für mich mein Schnurrbart, ist für Coco Chanel ihr No.5"  
 
 
 

Jahre später schuf Salvador Dalí nach der Rückkehr mit Gala aus ihrem amerikanischen Exil zusammen mit dem Fotografen Philippe Halsman als "Hommage à Coco Chanel" eine Fotomontage, die weltbekannt wurde. Sie zeigte als Etikett auf einem grossen Flakon "Chanel No.5" nur Dalís Augen und seinen berühmten Schnurrbart. Ihr Titel: "Die Essenz von Dalí"...
 
 
    "Die Essenz von Dalí"

 
 
1942

Während seines Aufenthaltes in den USA gestaltete Dalí 1942 in New York für Helena Rubinstein auf drei riesigen wandfüllenden Gemälden die Innendekoration ihres Schlafzimmers und portraitierte sie in Öl.
 
 
   

 
  "Als ich Helena Rubinstein zum erstenmal in New York begegnete, sah ich zunächst nur die Majestät einer bourbonischen Nase, die gross wie eine Pflugschar - von kurzen Beinen getragen - auf und nieder hüpfend auf mich zukam.

Im Licht der Kronleuchter funkelte eine Konstellation von Smaragden, die den Eindruck erweckte, dass die Hände der Frau Fackeln trügen und ihr Hals von Flammen umgeben sei. An dieser Funkengarbe erkannte ich ihre Milliarden. Wenn sie lachte, blieben ihre Augen kalt wie Knöpfe. Ihre Haut aber - pergamenten wie die der letzten chinesischen Kaiserin Tse-hi, der sie ähnlich sah - legte sich in Falten, die so bunt waren wie die Kriegsbemalung eines Sioux-Häuptlings.

Sie zeigte mir ihre Wohnung im 14. Stock in der 65th Street in New York - 36 Zimmer mit einem Flur, wie ein Dschungel. Vom Empfangszimmer bis zu den Bildergalerien führte alles auf einen einzigen Raum zu: ihr Schlafzimmer. Darin versteckte sie sich wie der Minotaurus im Herzen des Labyrinths und wartete auf ihre Beute in einem riesigen Bett aus durchsichtigem Glas, dessen Beine und gekrümmter Halbhimmel fluoreszierten. Wenn Helena im Bett lag, schien sie zu zerfliessen wie eine meiner weichen Uhren, umgeben von ihren im ganzen Zimmer vertreuten Smaragden, Perlen und Amethysten, ganze Ströme von Diamanten - eine funkelnde Galaxis erster Grössenordnung!

Der Glanz ihrer Juwelen sollte wohl ihr Alter vergessen machen. Bei jeder Begegnung wurde mir der Anblick neuer Karaffenstöpsel zuteil, die ihr um den Hals oder an den Ohren hingen, oder ihre Finger umschlossen; jedenfalls sah ich sie nie mit weniger als acht Reihen Perlen um den Hals. In ihrer Garderobe: hundert Kleider von Lanvin, Poiret, Doucet - und ebenso viele Mäntel; Schuhe wie zur Parade aufgestellt; auf Köpfen aus Papiermaché Hüte, die nicht einmal die Girls der Folies aufgesetzt hätten; und Pelze wie schlafende Tiere: Zobel von Molyneux, Leopard aus Somalia, Turmalinnerz.

Geldverdienen war für sie das einzige Massband des Erfolgs. Sie hatte soeben ein neues Parfum herausgebracht und Tausende von blauen Ballons über die 5th Avenue fliegen lassen. An jedem war ein Musterfläschchen und ihre Visitenkarte befestigt mit der Aufschrift: "Ein Geschenk des Himmels". Eine gute Idee: 1 Million Dollar!

Dennoch fragte ich mich, ob der Abstand, der die Irre von Chaillot von Helena Rubinstein trennte, vielleicht doch nicht viel grösser war als die Breite einer ihrer Hüte."
 
 
 
 
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