In den letzten Jahrzehnten erschienen international zahlreiche Briefmarken, Ersttagsbelege, Sonderausgaben und Numisbriefe mit Motiven Salvador Dalís. Für viele Philatelisten ergab sich daraus ein eigenständiges Sammelgebiet. Interessant dürfte allerdings sein, dass fast alle "Dalí-Briefmarken" ohne eine direkte Beteiligung des Künstlers nach schon bekannten Arbeiten aus seinem reichen Lebenswerk gestaltet wurden.

Nur eine einzige Briefmarke wurde von Salvador Dalí selbst entworfen: Die 1979 in Frankreich erschienene Sondermarke "Effigie de Marianne", das "Bildnis der Marianne" als Einzelwert 3,00 FF entstand nach seinem Entwurf als Auftragsarbeit für die französische Post und unter seiner Aufsicht. Erst nachdem Salvador Dalí die Umsetzung seines Entwurfes und die Probedrucke freigegeben hatte, durfte die Marke in Auflage gehen.

Diese Sondermarke "Bildnis der Marianne" und alle damit verbundenen Ersttags- und Sonderbelege begleiteten philatelistisch 1979 Salvador Dalís grosse Retrospektive im Pariser Centre Pompidou. Sie sind auch als Ehrung Dalís zu verstehen, der 1978 in die Académie des Beaux-Arts aufgenommen wurde. Salvador Dalís Entwurf "Bildnis der Marianne" von 1978 für das französische Ministerium für Post und Telekommunikation, Paris, zeigte eine jugendliche "Marianne" mit Jakobiner-Mütze, - gestaltet aus einer verschlungenen Darstellung "mythischer Zeichen".
 
 
 
1979

 
 
    Bildnis der Marianne - Frankreich - 3,00 FF

 
 
 

Die mit der Umsetzung von Dalís Entwurf beauftragte Nationaldruckerei für Postwertzeichen Frankreichs, Durrens, entschied, die Sondermarke in Stichtiefdruck auszuführen, einem Druckverfahren, das zu qualitativ hochwertigen Postwertzeichen mit einem besonders feinem Druckbild führt.

Dazu wurde Dalís Vorlage von hochspezialisierten Stahl- oder Kupferstechern in der Originalgrösse des späteren Postwertzeichens mit einem Stichel und sonstigen Schabewerkzeugen in vier Metallplatten (Kupfer oder Stahl) eingraviert, - für jede Druckfarbe jeweils eine Platte (rot, gelb, blau und schwarz). Nach einer Härtung der fertigen Platten wurde das gravierte Markenbild auf vier Rundstähle (Moletten) übertragen und diese weiter auf vier mit weichem Kupfer überzogene Druckzylinder. Diese zeigten dann nach einer Verchromung und Härtung das Motiv aufgeteilt in seine Farben als vier Druckstöcke - seitenverkehrt und vertieft.

Um überprüfen zu können, ob die Druckplatten fehlerfrei gestochen waren und deckungsgleich übereinander passten, mussten nun Probedrucke angefertigt werden, sogenannte Andrucke. Dazu wurde, wie auch später beim Druck der gesamten Auflage, das zu bedruckende Papier angefeuchtet. Die Feuchtigkeit löste die zähflüssige Druckerfarbe aus den seitenverkehrten Vertiefungen der vier verchromten Druckzylinder und nahm diese auf (Tiefdruck). Nach Trocknen des Papieres blieb das "gestochen scharfe" Druckbild als leicht erhabenes Relief tastbar.

Zur Beurteilung der Druckplatten wurden alle vier Druckdurchläufe in der gleichen Farbe ausgeführt, einem tiefdunklen umbra. Dieser Probedruck enthielt also die Informationen aller vier Druckplatten. Geprüft wurde, wie korrekt jede einzelne Druckplatte positioniert war. Dabei musste auf die winzigen Markierungen an der oberen linken, der oberen rechten und der unteren rechten Ecke geachtet werden. Diese Markierungen waren auf allen beteiligten Druckplatten angebracht und mussten alle genau übereinander passen. Ebenso war auf die Verteilung der Farbe zu achten. Der Probedruck musste eine gleichmässige Farbdichte zeigen; der Druck mit allen Platten in der gleichen Farbe machte dies besonders deutlich.

Nach bestandener Prüfung erhielten diese "Probedrucke für die Freigabe zum Druck der Auflage" das offizielle Prägesiegel der Kontrollstelle der französischen Nationaldruckerei für Postwertzeichen auf Arches-Büttenkarton.
 
 
    Probedruck mit Prägesiegel - Bildnis der Marianne - 3,00 FF

 
 
 

Zur Beurteilung des endgültigen Markenbildes und dem Vergleich mit dem ursprünglichen Entwurf Salvador Dalís wurden nun Probedrucke in den vier Druckfarben nötig. Dazu wurden die vier einzelnen mit dem offiziellen Prägesiegel der Kontrollstelle der französischen Nationaldruckerei für Postwertzeichen versehenen Druckplatten vervielfältigt und diese für jede der vier Druckfarben so montiert, dass sie den Druck ganzer Markenbogen ermöglichten. Diese farbigen Probedrucke mussten bereits auf dem rückseitig gummierten Papier der späteren offiziellen Auflage ausgeführt werden.

Test-Streifen mit fünf vertikal angeordneten Probedrucken der französischen Nationaldruckerei für Postwertzeichen mit Farbvariationen (von oben nach unten):

Probedruck 1: gelb mit rot.
Probedruck 2: umbra mit blau.
Probedruck 3: schwarz mit rot.
Probedruck 4: umbra mit gelb und schwarz.
Probedruck 5: umbra mit rot, gelb und blau.

Der Probedruck 5 kam der endgültigen Farbgebung der Auflage am nächsten. Lediglich Beschriftung und Signatur Dalís waren noch in umbra und nicht in schwarz; der Farbton des verwendeten umbra war insgesamt noch zu hell.
 
 
    Fünf Probedrucke - Bildnis der Marianne - 3,00 FF

 
 
 

Nach Abgleich der Tiefe, also der Farbe schwarz, konnte die Druckpresse von umbra auf schwarz umgerüstet werden. Die Probedrucke zeigten nun das endgültige Druckbild, wie es sich später auf den fertigen Postwertzeichen darstellen sollte. Diese Probedrucke dienten - mit glattem Schnittrand, also ungezähnt - für die gesamte Dauer des Auflagendruckes zur Qualitätskontrolle, und darüber hinaus nach sorgfältiger Archivierung als Referenz für eventuelle spätere Auflagenerweiterungen.
 
 
 
 

Als endlich alle Beurteilungskriterien der Kontrollabteilung der Nationaldruckerei für Postwertzeichen Frankreichs erfüllt waren - und nach persönlicher Endabnahme durch Salvador Dalí - gab der Abteilungsleiter in Übereinstimmung mit dem Künstler die Druckplatten für den Druck frei.
 
 
    "Bon à tirer" - frei zum Druck.

 
 
 

Nun durften die Druckpressen anlaufen, um das "Bildnis der Marianne" in einer Auflage von 6.000.000 Postwertzeichen zu 3,00 FF zu drucken. Bei 25 Postwertzeichen je Bogen waren dies 240.000 Bogen, am äusseren Rand fortlaufend nummeriert.
 
 
 
1979

Der Tag der Erstausgabe war der 17. 11. 1979.

Dieser Termin war geschickt platziert: 30 Tage vor der offiziellen Eröffnung der ersten grossen französischen Retrospektive Salvador Dalís im Centre Georges Pompidou in Paris erschien sein erstes offizielles französisches Postwertzeichen. Philatelisten wie Kunstsammler aus aller Welt bemühten sich, einen der begehrten "Ersttags-Belege" zu erhalten.

Darunter versteht man ein neu herausgegebenes Postwertzeichen, das an einem bestimmten, von der Postverwaltung des jeweiligen Staates bindend festgesetzten Ausgabetag erscheint. Erst ab diesem Tag ist das Postwertzeichen frankaturgültig. Damit frankierte und an diesem Tag abgestempelte Postsendungen werden "Ersttags-Belege" genannt (FDC = First-Day-Cover). Zum Abstempeln dieser Postsendungen werden sogenannte "Ersttagsstempel" eingesetzt, auch für die von der Postverwaltung oder von privater Seite hergestellten Sonderumschläge oder Sonderkarten. Diese "Ersttagsstempel" dürfen nur am ersten Tag der Gültigkeit des aufgeklebten Postwertzeichens benutzt werden.
 
 
    Briefumschlag - FDC - Bildnis der Marianne - 3,00 FF

 
 
 

Neben diesen "normalen" Ersttags-Belegen erschien eine Fülle weiterer, offizieller und von privater Seite hergestellter Sonderumschläge und Sonderkarten mit Abbildungen von Werken Salvador Dalís, wie z.B. die offizielle, nummerierte Ersttagspostkarte des französischen Ministeriums für Post und Telekommunikation, Paris, mit dem Motiv des Postwertzeichens "Bildnis der Marianne" - 3,00 FF.
 
 
 
 

Als weiteres Beispiel eine Postkarte mit zwei reproduzierten Ausschnitten aus Gemälden Salvador Dalís: Links: Ausschnitt aus dem Ölgemälde "Der Apotheker von Ampurdán, der absolut nichts sucht", 1936. Mitte: Ausschnitt aus dem Ölgemälde "Die Schlacht von Tetuán", 1962.
 
 
    Postkarte - FDC - Bildnis der Marianne - 3,00 FF

 
 
 

Hier ein aufwändig gestalteter nummerierter Briefumschlag mit einem auf der linken Seite aufgeklebtem Druck auf reiner Seide in einem goldfarbenem Rahmen "Bildnis der Marianne":
 
 
    Briefumschlag - FDC - Seidendruck - Bildnis der Marianne - 3,00 FF

 
 
 
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