Salvador Dalí war 1930 mit seiner Kunst bereits weit über seine Heimat Spanien hinaus bekannt und zählte als Mitglied der "Surrealisten" um André Breton zum festen Bestandteil der Pariser Kunstszene, nicht zuletzt dank Galas unermüdlichen Fleisses, Beziehungen zu einflussreichen und wohlhabenden Kreisen aufzubauen. Es dauerte nicht lange, und Dalí und Gala hatten auch Bekanntschaft geschlossen mit den Grössen der Mode und Kosmetik: Coco Chanel, Elsa Schiaparelli und Helena Rubinstein.

Die "Königinnen der Haute Couture" kämpften hart um ihre Kundinnen. Es ging um astronomische Summen Geldes - und den Erhalt der schwerreichen Klientel. In Paris galt damals das ungeschriebene Gesetz, dass man sich als Kundin von Coco Chanel nach einem "Abstecher" im Salon von Elsa Schiaparelli besser vorerst nicht wieder im Salon der Chanel sehen liess, - und im "kleinen Schwarzen" von Chanel huschte man tunlichst zügig über die Place Vendôme und schlug einen weiten Bogen um die No. 21, dem Salon Elsa Schiaparellis...

Um so mehr erstaunte "tout Paris" der "Spagat" der Dalís, in beiden Salons freundschaftlich ein- und auszugehen, wie es ihnen beliebte. Weder Salvador Dalí noch Gala verrieten bis an ihr Lebensende ihr Geheimnis, wie sie es schafften, mit allen drei Grössen der Mode- und Kosmetikwelt gleichzeitig und freundschaftlich verbunden gewesen zu sein.
 
 
    Salvador Dalí und Elsa Schiaparelli.

 
 
 

Elsa Schiaparelli entwarf, inspiriert durch befreundete Künstler, - vor allem aus der Gruppe der Surrealisten, - sehr ungewöhnliche und gewagte Kleidungsstücke und Accessoirs und eröffnete 1933 ihren eigenen Salon - unmittelbar gegenüber dem Pariser Hotel Ritz an der Place Vendôme.

Neben Jean Cocteau wurde vor allem Salvador Dalí als unermüdlicher Erfinder surrealistischer Bilder Elsa Schiaparellis wichtigster Ideenlieferant und Helfer. Zusammen mit Dalís Muse und Gefährtin Gala bildeten sie eine regelrechte "Symbiose", und es entstanden Kreationen, die heute in den Sammlungen der bedeutendsten Museen für Mode zu finden sind.

So entwarf er für Elsa Schiaparelli "Abendhandschuhe mit aufgenähten goldenen Fingernägeln", "Hüte mit Lammkoteletts", "Schubladen-Kleider für die moderne Sekretärin", "Tintenfass-Hüte", "Hummer-Kleider", "Handtaschen in Form eines Telefons, aus denen es bei ihrem Öffnen klingelt", "Weiche Zylinderhüte", sein "Fetzenkleid" als grosse Abendrobe für hochoffizielle Anlässe mit einem Cape aus teuerster Seide, verziert mit echten Rissen im Stoff, den legendären "Schuh-Hut", bestehend aus einem umgedrehten schwarzen Wildleder-Pomps mit roter Sohle, und und und...
 
 
    Die Herzogin von Winsor mit Dalís "Hummer-Kleid".

 
  "...Elsa Schiaparelli war begeistert über die realistische Darstellung meines auf den Stoff gemalten Hummers, verbot mir aber dann doch, echte Majonnaise auf das Kleid zu spritzen, um alles noch realistischer aussehen zu lassen."  
 
 
 

Die erfolgreiche Modeschöpferin Elsa Schiaparelli plante schliesslich, ihren ausgefallenen Roben auch ebensolche Duftkreationen hinzuzufügen. An der Entwicklung möglichst aussergewöhnlicher Flakons war Salvador Dalí ebenfalls direkt oder indirekt beteiligt. So ging die Flakonform und der Name "Shocking" direkt auf sein Gemälde und seine Idee einer "Frau mit Rosenhaupt" zurück, bei der Wahl des Produktnamen "Sleeping" stand er mit seinem zeitgleich fertiggestellten Ölgemälde "Der Schlaf" Pate.
 
 
    "Shocking" - Parfum, Eau de Toilette, Eau de Cologne und Miniaturen - Schiaparelli.

 
 
 

Mit "Shocking" war eines der ganz grossen Parfums war entstanden. Elsa Schiaparelli dachte auf Grund des grossen Erfolgs von "Shocking" an eine Erweiterung ihres Parfumgeschäfts, und Dalí hatte wieder jede Menge guter Vorschläge. Der Name des nächsten Parfums sollte, wie sie es wünschte, wieder mit einem "S" beginnen - "S" wie Schiaparelli - oder, wie Salvador Dalí in geselliger Tischrunde später gerne flunkerte:
 
 
  "...S - wie: Shocking - oder - Salvador..."  
 
 
 

Um den nächsten Damenduft sollte sich Salvador Dalí kümmern. Er erhielt von Elsa Schiaparelli völlige Handlungsfreiheit, sowohl für die Namensfindung, als auch für das Design des Flakons und seiner Verpackung. Dalí fertigte Skizzen sowie ein Wachsmodell für einen surrealistischen Flakon an, als der Ausbruch des Zweiten Weltkrieges allen Vorhaben ein jähes Ende setzte. Zeitgleich mit Gala und Salvador Dalí floh auch Elsa Schiaparelli in die USA. Vor ihrer Abreise hatte sie aber noch die Entwicklung zweier neuer Parfums in Auftrag gegeben: einen Herren- und einen Damen-Duft.
 
 
 
1945

Aber erst als 1944 ein Ende des Krieges in Europa zu erhoffen war, griffen Salvador Dalí und Elsa Schiaparelli ihr damaliges Vorhaben, einen neuen Damenduft zu entwickeln, wieder auf. Dalí, inzwischen in den USA zu einem der populärsten Künstler aufgestiegen, schwärmte auf Grund der europaweit geschwächten politischen Systeme mehr und mehr für die Monarchie: Der Hof von Versailles, Louis XIV., der längst verblasste Glanz des Sonnenkönigs einerseits, Freiheit - "Victory" und die Beendigung der Grauen dieses Krieges, andererseits. Dalí entschied sich für "Versailles"...

"Roi Soleil" - so sollte das neue Parfum Elsa Schiaparellis heissen. Ein Parfum, das nach Beendigung des Krieges wieder die Nasen der feinen Damen von Paris verwöhnen würde. Es müsste ein königlicher Duft gefunden werden, eine Kreation aus den erlesensten und teuersten Essenzen, die überhaupt noch - oder schon wieder - irgendwo auf der Welt verfügbar sein würden.

Salvador Dalí schuf 1945 als Vorlage für einen Parfum-Flakon für die Modeschöpferin Elsa Schiaparelli eine aquarellierte Tuschezeichnung, die eine Küstenlandschaft seiner spanischen Heimat zeigt. Darin, alles überragend, ein strahlendes Gesicht auf einem riesigen, vulkanähnlichem Rumpf, der den Flakon darstellt. Augen, Nase und Mund des Gesichts gestaltet er aus fliegenden Vögeln. Sie bilden zusammen mit der Strahlen-Aura den Flakonverschluss. Um den Hals gelegt ein Medaillenband - wie das Zeichen für Freiheit: "V" - "Victory" - aber auch wie "Versailles".
 
 
    "Le Roi Soleil", 1945.

 
    Detail - Sonne mit Gesicht aus fliegenden Vögeln

 
    Detail - Flakon auf violetter Basis

 
    Detail - Küstenlandschaft - rechts

 
 
 
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