Eine der ganz grossen technischen Errungenschaften in der Menschheitsgeschichte ist das Telefon.

Erfunden und konstruiert 1860 zur Reproduktion von Tönen aller Art von dem deutschen Lehrer Philipp Reis, weiter entwickelt und bis zur Gebrauchsfähigkeit verbessert durch den Schotten Alexander Graham Bell, wurde das "Telephon" 1877 in Berlin erstmals in Betrieb genommen. Zur Benutzung öffentlicher Telephon-Stationen mussten bereits "Telephon-Billets" mit einem bestimmten Guthaben oder einer bestimmten Gesprächsdauer gekauft werden. Sie waren somit die ersten Vorläufer der fast 100 Jahre später eingeführten "Telefonkarten".

In Deutschland wurden die ersten Kartentelefone am 20. Juni 1983 testweise in Betrieb genommen. Sie sollten das Telefonieren komfortabler machen: eine bargeldlose Kunststoff-Chip-Karte in das Kartentelefon einschieben - und telefonieren.

Am 16. Dezember 1986 wurde dann bundesweit das Telefonkarten-System mit einem Chipsystem von Siemens eingeführt und seither erfolgreich betrieben. Telefonkarten mit unterschiedlich hohen Guthaben gab es nun an allen Schaltern der Postämter zu kaufen. Anfangs noch ganz sachlich und schlicht, wurden die leeren Flächen der Telefonkarten schon bald als lukrative Werbeträger entdeckt und genutzt. So war es nur noch eine Frage der Zeit, dass die bunt illustrierten Plastikkarten auch zu Sammelobjekten wurden.
 
 
 
 

Die Herstellung deutscher Telefonkarten



Laminierungs-Verfahren:
Laminierte Telefonkarten bestehen aus mehreren Schichten. Dazu werden als Bogen zwei Folien mit den Motiven der Vorder- und Rückseite der späteren Telefonkarte bedruckt und mit Schutzlackierungen versehen. Diese vorder- und rückseitigen Bogen werden zusammen mit zwei Zwischenfolien zusammengefügt und in einer Presse unter hohem Druck miteinander verschweisst (Kaschierung). Anschliessend werden diese Kartenkörper ausgestanzt und das Chipmodul aufgebracht.

PrismIC-Verfahren:
Papierbahnen werden zuerst mit den Motiven von Vorder- und Rückseite der zu gestaltenden Telefonkarte bedruckt. Die Druckbahnen werden geschnitten und passgenau in Kartenform ausgestanzt. Die ausgestanzten Blätter werden anschliessend in Kunststoff aus verflüssigtem Polycarbonat-Granulat eingegossen, rückseitig lackiert und das Chipmodul aufgebracht.

Spritzguss-Verfahren:
Flüssiger Kunststoff wird in telefonkartenformatige Hohlformen gegossen, wobei die Stelle für das Chipmodul ausgespart bleibt.
Anschliessend werden die Kartenrohlinge beidseitig bedruckt und das Chipmodul eingesetzt.
 
 
 
 

Chipmodul:
Der Chip als elektronisches Bauteil besteht aus einer Siliciumscheibe und darauf aufgebrachte winzige elektronische Schaltkreise. Mit feinsten Kontaktdrähten wird der Chip mit einer metallisierten Kontaktplatte zu einem kompletten Chipmodul verbunden. Dieses Chipmodul wird dann in die entsprechend vorbereiteten Kartenkörper der nach unterschiedlichen Verfahren hergestellten Telefonkarten implantiert. Anschliessend erhalten die Chipmodule über ihre Kontakte Informationen einprogrammiert, d.h. sie werden mit den Angaben zu Ausgabeland, Nennwert und Sicherheitssystem elektronisch "geladen".

Nummerierung der Telefonkarten:
Als letzter Produktionsschritt bei der Herstellung von Telefonkarten erfolgt die Nummerierung. Dabei wird rückseitig eine fortlaufende Kontroll-Nummer als Blindprägung mit einem Nummerierwerk eingestanzt oder im Ink-Jet-Verfahren mit einer speziellen Farbe aufgespritzt. Bis auf die letzten beiden Stellen ist diese Kontroll-Nummer auch im Chip einprogrammiert. Diese amtliche, fortlaufende Nummerierung wird nur bei deutschen Telefonkarten vorgenommen: seit 1986 links oben = siebenstellig, seit 1987/88 rechts oben = siebenstellig, seit 1989 = elfstellig.

Kontrollnummern:
Die seit 1989 elfstelligen Kontrollnummern enthalten folgende Informationen:
- Produktionsfirma
- Jahreszahl
- Produktionsmonat
- Produktionsmaschine
- fortlaufende Zahl

Produktionsfirma:
Die erste Ziffer von links informiert mit ihrer Kennzahl über die Produktionsfirma der Telefonkarte:
0 = Orga
1 = Giesecke & Devrient
2 = Oldenbourg
3 = Gemplus
4 = Solaic
5 = Uniqa
7 = Schlumberger

Jahreszahl:
Die zweite Ziffer von links informiert über das Jahr, in der die Telefonkarte hergestellt wurde und entspricht der Endziffer der Jahreszahl.
0 = 1990
1 = 1991
2 = 1992 - usw.

Produktionsmonat:
Die dritte und vierte Ziffer informiert über den Herstellungsmonat der Telefonkarte.
01 = Januar
02 = Februar
03 = März - usw.

Ziffern 5 - 11:
Bei einigen Telefonkarten informiert die fünfte Ziffer von links über die zur Numerierung verwendete Maschine.

Die weiteren Ziffern sind variable Kontrollziffern z.B. zu Druckmonat, Teilauflagen und Verbreitung der Auflage.
 
 
 
 

Kennung:
Die Kennung deutscher Telefonkarten ist eine Kombination aus Buchstaben und Kontrollnummern. Daraus lassen sich Informationen über Zugehörigkeit, Herkunft, Herstellungsdatum und Auflage auslesen wie
Produktionsfirma
Serienbuchstabe
Seriennummer
Auftragsmonat, Auftragsjahr
Auflagenhöhe
Postreklame-Kürzel
Zweitauflage

Serienbuchstaben:
K-Serie
Private Kundenkarten, die Jedermann bei der Deutsche Telekom Medien GmbH in Auftrag geben kann. Mindestmenge sind 2.000 Expl., davon bleiben 1.000 Expl. für Sammler reserviert.

O-Serie
Private Kundenkarten, die Jedermann bei der Deutsche Telekom Medien GmbH in Auftrag geben kann. Mindestmenge sind 1.000 Expl., für Sammler werden keine Exemplare reserviert.

X-Serie
Telefonkarten mit Eigenwerbung der Deutsche Telekom Medien GmbH. Werden seit 1988 von Dienststellen der Postreklame an Kunden und Geschäftspartner verschenkt. Mindestauflage 2.000 Exemplare.

Format:
Telefonkarten haben ein international einheitliches Format von exakt 5,40 x 8,57 cm (ISO-Norm).
 
 
 
 

Internationale Bezeichnungen der Telefonkarten:
Deutschland: "Telefonkarte"
Schweiz: "Taxcard"
Österreich: "Telefonwertkarte"
England: "phonecard"
Frankreich: "télécarte" bzw. "carte de téléphone".

Cinecartes:
Werden in Frankreich verwendet, um per Karte Kinobesuche zu bezahlen = Cinecartes sind also trotz ihres Aussehends keine Telefonkarten.